Spitex - Die ambulante Pflege der Schweiz

Spitex – Die ambulante Pflege der Schweiz

Spitex-Organisationen kümmern sich in der Schweiz um die Betreuung und Hilfe im Alltag pflegebedürftiger Personen. Ein Überblick über die Bedeutung und Struktur des Dienstleisters.

Woher kommt Spitex?

Der Name Spitex steht für „spitalexterne Hilfe und Pflege“. Gegründet hat sich der Verband im Jahr 1995, nachdem das neue Krankenversicherungsgesetz in Kraft getreten war. Dieses legt die Versicherungspflicht für alle Personen mit festem Wohnsitz in der Schweiz fest.

Des Weiteren regelt es den Kostenauftrag der Versicherungen für von der ambulanten Pflege übernommene Heimpflegefälle. Die Aufgaben des Spitex-Verbandes sind seitdem die Beurteilung des nötigen Betreuungsumfangs und die fachgerechte Ausführung des Hilfsauftrages.

Umfang der Spitex-Dienstleistungen

Wird in einem Haushalt eine pflegebedürftige Person angemeldet, übernimmt die Spitex in Zusammenarbeit mit der Versicherung die folgende Beurteilung. Hierbei werden speziell für diesen Zweck hergestellte „interRAI-Instrumente“ verwendet.

Diese können genau abklären, welcher Grad an physischer oder psychischer Alltagsbehinderung vorliegt. Anhand dieser Daten können dann die notwendigen Hilfsangebote im Einzelfall festgelegt werden.

Diese Angebote können von einer reinen Beratung der angehörigen Familien über medizinische Fachpflege bis zur Betreuung im Alltag reichen. Falls nötig ist sogar eine 24 Stunden-Pflege möglich, dies braucht jedoch besondere Voraussetzungen. Hierzu im Folgenden mehr.

Organisation und Finanzierung

Der Spitex-Dachverband versteht sich als Nonprofit-Organisation. Das bedeutet, dass man sich nicht der Gewinnorientierung – und Maximierung verpflichtet, sondern vor allem der angebotenen Leistungen. Im Falle der Spitex geschieht dies durch eine föderalistische Aufteilung und Aufsplittung in kleinere Abteilungen.

Der Dachverband handelt interkantonal, schreibt Leibilder vor und vertritt in der Öffentlichkeit/Politik die Interessen der Organisation. Ansonsten unterscheidet sich die Struktur in den einzelnen Kantonen zum Teil stark voneinander. Z.B. gibt die Spitex an, in der Deutschschweiz vor allem durch lokale Vereine vertreten zu sein. Diese arbeiten eher lose zusammen und sind zum Teil privat finanziert.

In anderen Kantonen gibt es überregional handelnde Verbände, die einen grösseren Bereich abdecken. In jedem Fall arbeiten diese Abteilung in erster Regel gemeinnützig und verzichten dementsprechend auf Profitmaximierung für den Dachverband. Die Finanzierung der Spitex kommt also von den Versicherungen, aus Spenden, öffentlicher Hand und von den jeweiligen Klienten.

Kostenaufteilung für Patienten

Was bedeutet diese Struktur für Pflegefälle und ihre Angehörigen? Oben ist bereits beschrieben, dass das Krankenversicherungsgesetz die Kostenverteilung regelt. Dies ist im Einzelfall allerdings nicht notwendigerweise einfach umzusetzen.

Gewöhnlicherweise übernimmt die zuständige Krankenkasse alle anfallenden medizinischen Versorgungen sowie Pflegeverpflichtungen. Was in diese Kategorie fällt, kann sich allerdings von Fall zu Fall und von Kanton unterscheiden. In jedem Fall wird die Erstprüfung mit den interRAI-Instrumenten von der Krankenkasse getragen.

Welche Leistungen über die Pflege hinaus für den Klienten anfallen, ist allgemein nicht vorherzusagen. Generell ist die Krankenversicherung nicht verpflichtet, mehr als medizinische und pflegerische Hilfe abzudecken. Haushaltshilfen und Rund-um-die-Uhr-Betreuung müssen in aller Regel vom Klienten selbst übernommen werden.

Das Krankenversicherungsgesetz legt des Weiteren fest, dass die Leistungen der Spitex wirtschaftlich sein müssen. Sollten also die Kosten einer Betreuung zu Hause die eines Pflegeheimplatzes stark übersteigen, ist Spitex nicht mehr verantwortlich. Auch fehlende Sicherheit für den Klienten, die Angehörigen oder die Pflegekräfte können ein Grund zur Beendigung der Hilfsleistungen sein.

Die Bedeutung von Spitex

Die Spitex gibt jährlich Statistiken heraus, die die Beschäftigungsverhältnisse und die erbrachten Leistungen darlegen. Hier zeigt sich auch die Bedeutung der Spitex für die Schweizer Gesellschaft.

Die Spitex beschäftigt 38.048 Mitarbeiter, darunter studierte Pflegekräfte, Advanced Practice Nurses etc. sowie einige Freiwillige Pflegehelfer. Diese betreuen ca. 284.000 Klienten, davon sind über 150.000 über 80 Jahre alt.

Das ist beinahe jeder dritte Schweizer Bürger im Alter von über 80! An diesen Zahlen lässt sich ablesen, dass eine Organisation wie Spitex für die Schweizer Gesellschaft heutzutage unverzichtbar ist.

Kritik an der Spitex Kriens

Wie wichtig etwas ist, ist häufig erst dann zu beurteilen, wenn es nicht mehr da ist. Diese Erfahrung musste das Ehepaar Schoch/Morf machen, das seit 20 Jahren einen Hirntumor-Patienten mit der Hilfe von Spitex betreuen. Die Spitex Kriens entschied sich dann im November 2018, die Pflege in diesem Fall zu beenden.

Als Begründung wurde hier die fehlende Sicherheit des Patienten in der Betreuung durch Angehörige angegeben. Auch würden die anfallenden Aufgaben die Kompetenzen und Ressourcen der Spitex-Kräfte übersteigen.

Dem wurde von Seiten der Angehörigen und dem zuständigen Hausarzt widersprochen. Nach einigen Jahren der eigenständigen Pflege sei das Ehepaar absolut fähig, die Sicherheit des Patienten sicherzustellen.

Ein Wechsel in ein Heim würde seinen Anforderungen hingegen nicht mehr gerecht werden können – und das wäre die logische Folge bei einem Zurückziehen der Spitex. Infolge dieses Zwists geriet der CEO der Spitex Kriens, Hannes Koch, in die Kritik.

Er hatte für die Beurteilung des Falles den Hausarzt nicht konsultiert und sich nie selbst öffentlich geäussert. Ermittlungen ergaben später, dass ihm die Problematik des Falles durchaus bewusst war.

Unabhängig davon, welche Partie hier im Recht ist und welche Gründe tatsächlich für das Ende der Zusammenarbeit sorgten: Hier wird deutlich, welchen Unterschied eine gute und bezahlbare Betreuung für jeden einzelnen Pflegefall ausmachen kann.

„Ambulant vor stationär“

Der Dachverband der Nonprofit-Spitex setzt sich aus diesem Grund seit Jahren für eine ausreichende finanzielle Unterstützung des Staates ein. Hierbei steht der Grundsatz „ambulant vor stationär“ im Fokus: Es ist der Wunsch der meisten Menschen, auch als Pflegefall unabhängig und zu Hause bleiben zu können.

Dementsprechend ist die Herausforderung hier in den nächsten Jahren, den demographischen Wandel wahrzunehmen. Denn die Gesellschaft wird zunehmend älter und eine ambulante Pflege wird sogar noch an Bedeutung gewinnen. Für die Spitex gilt es, weiterhin die Interessen der Hilfsbedürftigen weiter zu vertreten – und Fälle wie den in Kriens möglichst zu vermeiden.