Handtherapie Treatment

Als Handtherapie wird eine ganzheitliche Behandlung der Hände bezeichnet, die zur Wiederherstellung nach Erkrankungen bzw. Verletzungen zum Einsatz kommt.

Handtherapie: Eine Begriffserklärung

Unsere Handfunktion beruht auf einem sehr genauen Zusammenspiel von Bändern, Nerven, Sehnen, Muskeln und Knochen. Mit einer Hand kann man greifen, tasten, berühren und fühlen sowie kleinste Bewegungen ausführen. Welche grosse Bedeutung sie im Alltag hat, fällt meistens erst dann auf, wenn die Funktion der Hand eingeschränkt ist.

Handtherapeuten haben in ihrem beruflichen Alltag mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Krankheitsbildern zu tun, die die obere Extremität bzw. die Hand betreffen. Dazu zählen rheumatische und chronische Erkrankungen, aber auch akute, traumatische Verletzungen wie beispielsweise Nerven- oder Sehnenverletzungen.

Mit Hilfe der Handtherapie soll die funktionsgestörte Hand möglichst zu ihrer ursprünglichen Funktion zurückgeführt werden, sodass der Klient nach der Behandlung früheren Tätigkeiten und Beschäftigungen wieder nachgehen kann. Sehr häufig werden dafür Konzepte aus der klassischen Handtherapie eingesetzt, dazu zählen zum Beispiel physikalische Massnahmen, thermoplastische Schienen, Sensibilitätstraining, manuelle Techniken der Weichteile bzw. Gelenke, Bewegungsübungen sowie spezielle Selbsthilfetrainings.

Geschichte der Handtherapie

Die Bezeichnung „Handtherapie“ entstand in den USA, wo sich sowohl Physio- als auch Ergotherapeuten zum Handtherapeuten weiterbilden können. In den Anfängen konzentrierten sie sich dabei hauptsächlich auf die Rehabilitation der Hand, heute wird die gesamte obere Extremität bis zur Halswirbelsäule bzw. zum Schultergürtel in die Behandlung miteinbezogen. Diese Entwicklung ist u.a. auf die gestiegenen Anforderungen zurückzuführen, da beispielsweise auch Personen mit Überlastungsschäden behandelt werden. In den USA ist eine Zertifizierung seit 1991 möglich und auch in Europa arbeiten mittlerweile viele Physio- und Ergotherapeuten auf diesem Gebiet. Eine Ausbildung zum Handtherapeuten ist beispielsweise in Grossbritannien möglich, wo 1984 auch die „British Association of Hand Therapists“ gegründet wurde. Im Jahr 1990 erfolgte ausserdem die Gründung der „Schweizerischen Gesellschaft für Handrehabilitation“. Das Ziel dieser Gesellschaften ist es, das Wissen über diese Therapieform zu fördern und zu verbreiten.

Anforderungen an die Therapeuten

Wer Personen mit Verletzungen der oberen Extremität behandelt, muss über fundierte Kenntnisse der Anatomie, Physiologie, Mobilisation, Ergonomie bzw. Kinesiologie verfügen. Des Weiteren müssen die Therapeuten auch über physikalische Anwendungen bzw. Erfassungsmethoden Bescheid wissen. Besonders bei komplexeren Erkrankungen ist es wichtig, auch Angehörige einzubeziehen. Behandelt werden in der Handtherapie zum Beispiel folgende Krankheitsbilder:

  • Angeborene Fehlbildungen
  • Amputationen
  • Nervenverletzungen
  • Muskel- und Sehnenverletzungen
  • Knochenbrüche
  • Verbrennungen
  • Bandverletzungen

Klinische Erfassung

Richtungsweisend für eine Handtherapie ist die klinische Erfassung, bei der die funktionellen, motorisch-sensorischen, emotional-affektiven bzw. kognitiven Handlungsvoraussetzungen des Patienten erhoben werden. Neben den allgemeinen Informationen werden dabei auch Schmerzintensität, Belastbarkeit bzw. die Phase des Heilungsprozesses erfasst. Darüber hinaus werden auch der Bewegungsumfang der Gelenke gemessen, die sympathischen Funktionen der Hand untersucht sowie die Leistungsfähigkeit und die Arbeitssituation des Patienten abgeklärt.

Ganzheitlicher Ansatz in der Handtherapie

Neben dem somatischen Aspekt ist ein holistischer (ganzheitlicher) Ansatz in der Handtherapie äusserst wichtig. Neben dem Patienten werden hier auch seine Netzwerke mit einbezogen bzw. seine Fähigkeiten, wie er mit der Situation umgehen und fertig werden kann. Daher müssen neben den physiologischen Funktionen auch seine Gewohnheiten einen Schwerpunkt im Rahmen einer Handtherapie haben, um wichtige Aktivitäten erleichtern zu können.

Der Therapeut darf sich im Rahmen der Behandlung daher nicht nur auf die Hand konzentrieren, sondern muss seine Aufmerksamkeit auf die gesamte obere Extremität richten. Ein wesentlicher Aspekt ist es, funktionelle Ziele zu definieren, damit der Patient vor allem bei alltäglichen Verrichtungen seine Selbständigkeit wiedererlangen kann, was sich sehr positiv auf den Selbstwert auswirkt. Dafür kommen auch verschiedenste Hilfsmittel, Ersatzstrategien und Tätigkeitsmodifikationen zum Einsatz.

Behandlungsansätze in der Handtherapie

Ein Behandlungsansatz in der Handtherapie ist ein sogenanntes aufbauendes Training, wodurch Funktionen und Aktivitäten allmählich gesteigert werden können. Dieser Ansatz ist auf die kognitive Verhaltenstherapie zurückzuführen. Zunächst werden die Ziele gemeinsam mit dem Patienten festgelegt, ausgehend davon werden diese dann allmählich gesteigert.

Darüber hinaus wird im Rahmen der Handtherapie auch sehr häufig ein Wochenplan erstellt, in den unterschiedliche Bereiche wie Arbeit, Freizeit oder Ruhe einbezogen werden, sodass ein ausbalancierter Lebensstil möglich ist. Ein weiterer zentraler Faktor in der Handtherapie ist die Schmerzkontrolle, wobei hier unterschiedliche Massnahmen zur Auswahl stehen, damit Schmerzen kontrolliert und reduziert werden können, darunter beispielsweise Entspannungstechniken, Wärme- oder Kälteanwendungen bzw. ergonomische Ansätze. Unterstützt werden diese Massnahmen manchmal auch durch eine medikamentöse Therapie. Dauern die Schmerzen allerdings länger als drei Monate an, so sollte dem Patienten eine multimodale Schmerztherapie angeboten werden.

Manualtherapeutische Techniken

Ist das Hauptproblem der Bewegungseinschränkung das Gelenk, so kommen manualtherapeutische Behandlungstechniken zum Einsatz. Dazu zählt das sogenannte passive Bewegen, das häufig mit Bindegewebstechniken kombiniert wird. Anschliessend erfolgt das aktive Üben, da durch regelmässige Bewegung die Durchblutung gesteigert und die Muskelkraft aufgebaut werden kann. Aktives Bewegen sollte regelmässig durchgeführt werden, wobei in weiterer Folge auch das Dehnen miteinbezogen werden sollte.

Handtherapie und Schienenbehandlung

Die Schienenbehandlung hat sich seit den 40er-Jahren sehr stark weiterentwickelt und ist auch ein wesentlicher Bestandteil in der Handtherapie. Werden Schienenbehandlungen frühzeitig eingeleitet, so können oftmals auch Operationen umgangen werden. Schienenbehandlungen sind vor allem bei Verletzungen bzw. Erkankungen im neurologischen, rheumatologischen, orthopädischen bzw. traumatologischen Bereich angebracht und können sowohl in der Rehabilitationsphase als auch in der Akutphase zum Einsatz kommen. Durch eine Schienenversorgung kann der Bewegungsumfang verbessert und Fehlstellungen korrigiert werden.

Ziel einer Handtherapie

Mit Hilfe einer Handtherapie werden Halte-, Greif- und Tastfunktionen der Hand, die durch eine Fehlbildung, Erkrankung oder Verletzung entstanden sind, wiederhergestellt. Angestrebt wird ausserdem die Integration des Armes bzw. der Hand ins Körperschema. Ist eine vollständige Wiederherstellung nicht möglich, so ist das Ziel, eine bestmögliche Gebrauchsfähigkeit zu ermöglichen. In den letzten Jahren konnte sich die Handtherapie als eigenes Spezialgebiet immer mehr etablieren und eine zunehmende Zahl an Physio- und Ergotherapeuten setzt sich mit dieser doch sehr anspruchsvollen Thematik auseinander. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an qualifizierten Fortbildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, sodass Arm- und Handfunktionen betroffener Patienten bestmöglich wieder hergestellt werden können.